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Interview mit unserem Cheftrainer 1. Mannschaft

Aktualisiert: 25. Feb.

Interview von Sandro Stamm mit unserem Cheftrainer der 1. Mannschaft Olivier Häusermann



Sandro:

Du bist seit letztem Oktober Cheftrainer der ersten Mannschaft. Erzähl uns doch bitte etwas über Deine Person.


Oli:

Ich bin als jüngster Sohn (mit zwei älteren Schwestern) einer Französischen Mutter und eines Schweizer Vaters in Zofingen geboren. 45 Jahre alt. Ich habe nach meiner KV Lehre mit Berufsmatura, die höhere Fachschule für Wirtschaft HFW abgeschlossen und einen Master (MAS) in Dienstleistungsmarketing und Management abgeschlossen. Seit über 15 Jahren arbeite ich beim grössten Automobilimporteur der Schweiz und leite dort eine Abteilung, welche für die Kundenzufriedenheitsbefragungen und das Mystery Shopping verantwortlich ist.


Im Fussball habe ich meine Juniorenzeit beim FC Aarau und dem SC Zofingen verbracht (also auch damals schon Aargauer Weg 😉 ) und als Aktiver beim FC Rothrist, FC Affoltern a.A., FC Langenthal, FC Klus/Balsthal und FC Kölliken auf heutigem Niveau 1. Liga Classic gespielt. Nach bzw. während meiner Aktivzeit habe ich mit meiner Trainerausbildung angefangen und besitze heute das UEFA A-Diplom und bin SFV-Instruktor für den Aargauer Fussballverband. Ich war zusammengezählt über 10 Jahre Trainer im Nachwuchsbereich des FC Aarau (von U12 bis U18) und war auch noch während 3 Jahren Technischer Leiter Nachwuchs beim SC Schöftland. In meiner noch spärlich vorhandenen Freizeit verbringe ich Zeit mit meiner Partnerin und wir reisen beide sehr gerne. Meine Hobbies sind daneben noch Padel, Golf und Joggen.


Sandro:

Du hast die Mannschaft nach einer Niederlagenserie übernommen. Die Verunsicherung auf dem Feld war sicht- und spürbar. Seit Deinem Amtsantritt hat sich die Körpersprache der Frauen auf dem Feld verbessert. Was hat sich geändert?


Oli:

Ich habe von Anfang an eine positive Ansprache gewählt und der Mannschaft versucht viel Selbstvertrauen zu geben. In den Resultaten hat sich das aktuell leider noch nicht gezeigt, aber die Einstellung und die Stimmung ist sehr positiv. Wir haben immer noch alles in der eigenen Hand und daran müssen wir auch glauben.


Sandro:

Ein grosses Problem zu Saisonbeginn waren die fehlenden Tore. Nur im Cup konnten welche erzielt werden. Seit Ende Oktober kamen endlich auch in der Meisterschaft wieder einige Treffer dazu. Habt Ihr spezielle Stürmertrainings durchgeführt?


Oli:

In den ersten Wochen vor dem ersten Spiel war der Fokus im Training sehr stark auf dem Toreschiessen. Nicht explizit mit Stürmertraining sondern einfach mit Spielformen und Übungen bei welchen viele Tore erzielt werden. Ich erinnere mich noch an das erste Abschlussspiel im Training welches 0:0 endete. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Es fallen viele Tore. Wir müssen dies jetzt aber noch besser auf den Platz bringen. Wir kommen in jedem Spiel (kleine Ausnahme war jetzt YB) zu unseren Chancen und in der Vorbereitung haben wir auch mehr Tore geschossen als bekommen, aber wir müssen vor dem Tor viel effizienter werden. Gegen gute Mannschaften bekommen wir nicht viele Chancen (siehe Spiel im Dezember gegen Servette) und dann müssen wir diese besser nutzen.


Sandro:

Leider ist die erste Mannschaft immer noch am Tabellenende. Wir sind im Abstiegskampf. Was gibt Dir die Zuversicht den Ligaerhalt noch zu schaffen?


Oli:

Die Qualität der Mannschaft und die fussballerische Entwicklung, welche meines Erachtens auch sichtbar ist. Es ist aber ein Prozess. Bis alles greift, braucht es noch Zeit, welche wir nicht unbedingt massenhaft haben. Wenn jetzt noch positive Resultate kommen, dann hilft dies auch im mentalen Bereich und ich glaube fest daran, dass wir das schaffen. Wir müssen jetzt einfach bereit sein mehr zu machen als alle anderen die vor uns sind.



Sandro:

In der Winterpause konnten 2 neue Spielerinnen engagiert werden, wie haben sich diese bisher integriert und welche Hoffnungen/Erwartungen hast Du an sie?


Oli:

Wir haben mit Anna und Dana an Qualität dazugewonnen. Es sind beides Spielerinnen, welche sich menschlich super integriert haben und unserem Spiel mit Ihren Stärken weiterhelfen können. Wenn hier die Automatismen in der Gesamtmannschaft noch kommen, dann werden wir noch unsere Freude an Ihnen und dem gesamten Team haben.


Sandro:

Vor und in der Winterpause gab es auch einige Verabschiedungen. Wie hat das Deine Spielvorbereitungen und Matchplanung beeinflusst? Wie hat die Mannschaft darauf reagiert?


Oli:

Auf Spielvorbereitung und Matchplanung haben die Kaderkorrekturen keinen Einfluss. Es ist klar, dass ich als Trainer es auch nicht gerade schön finde, wenn ich mehrere Spielerinnen verabschieden muss. Die Mannschaft hat dies aber gut verarbeitet. Der Kader war mit 26 Spielerinnen einfach zu gross (Trainingsbetrieb mit 26 Spielerinnen auf einem halben Platz ist eine grosse Herausforderung). Ich konnte diesen Spielerinnen auch keine Matchzeit versprechen und gerade bei jüngeren Spielerinnen wäre dies für die Entwicklung nicht förderlich gewesen. Sie müssen spielen und dies können die meisten jetzt in den NLB Vereinen wo sie hin sind. Zudem möchte ich in Zukunft auch mehr U19 Spielerinnen die Chance geben sich zu zeigen, da wir einen sehr guten Nachwuchs mit vielen guten Spielerinnen haben. Dies wäre bei einem so grossen Kader nicht möglich.


Sandro:

Ihr habt letzte Woche ein Trainingslager in Spanien absolviert. Dies nach dem ersten Spiel nach der Winterpause und vor dem nächsten Meisterschafts-Spiel am Samstag 02. März gegen den FCB. Das scheint etwas ungewöhnlich. Was war die Idee dahinter?


Oli:

Das Datum stand eigentlich schon fest, bevor ich angefangen habe. Nach dem Cup-Out gegen YB im Herbst haben wir es so fixiert. Der Spielplan in der AWSL ist nicht gerade optimal. Wir hatten am 10. Februar das erste Spiel und dann wieder Pause bis zum 2. März. Ich wollte nicht die ganze Vorbereitung in 4 Wochen quetschen und so haben wir entschieden, das Datum so stehen zu lassen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass dies gut war, da wir in dieser Woche auch gleich die Niederlage gegen YB gut aufarbeiten und analysieren konnten.



Sandro:

Wie verlief das Trainingslager? Woran habt Ihr gearbeitet und bist Du mit dem Erreichten zufrieden?


Oli:

Den Verlauf des Trainingslagers kann man auf der Homepage gut nachlesen. Wir hatten eine gute Woche und konnten auf und neben dem Platz alles umsetzen was wir uns vorgenommen haben. Es war eine gute Stimmung und wir hatten hervorragende Trainingsbedingungen.


Sandro:

Du hast ja bereits einige Trainerstationen im Männerfussball hinter Dir. Wie unterscheidet sich Deiner Meinung nach die Herangehensweise an das Training und die Taktik im Frauenfussball im Vergleich zum Männerfussball?


Oli:

Ich mache den Vergleich mit dem Männerfussball nicht gerne, da ich der Meinung bin, dass man dies nicht 1:1 vergleichen soll. Ich lese so gut wie nie etwas über Vergleiche zwischen Mann und Frau z. B. im Skirennsport. Dort sind es einfach zwei Kategorien die parallel laufen. Rein von der Herangehensweise was Training und Taktik angeht, gibt es keine oder sehr kleine Unterschiede. Es ist klar, dass die Athletik und Belastungssteuerung bei Frauen etwas anders ist als bei Männern, aber punkto Intensität bin ich beeindruckt, welches Tempo die Frauen gehen.



Sandro:

Welche besonderen Herausforderungen siehst Du im Frauenfussball in Bezug auf die Entwicklung von jungen Spielerinnen?


Oli:

Der Stellenwert des Frauenfussballs ist leider noch nicht so hoch wie bei den Männern, aber ich spüre, dass der SFV hier auch viel unternimmt, um dies zu ändern. Im Bereich der schulischen Ausbildung läuft es schon praktisch identisch zu den Jungs. In Aarau sind die Herausforderungen insbesondere im Bereich der Infrastruktur zu finden. Da die Trainingszeiten von U17 und U19 gleichzeitig sind wie unsere, heisst dies für die Nachwuchsmannschaften, dass sie teilweise auf ¼ Platz trainieren müssen. Dies ist für Nachwuchsleistungsfussball einfach zu wenig. Umso mehr bin ich fasziniert wieviele gute Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs nachrücken.

Sandro:

Vom Frauenfussball kann in der Schweiz kaum eine Spielerin leben. Die allermeisten arbeiten mindestens Teilzeit oder absolvieren eine Schule/Studium. Wie gelingt es bei dieser Mehrfachbelastung die erfahrenen Spielerinnen zu halten?


Oli:

Btw. Ich arbeite auch 100% neben dem Fussball 😉. Was der Verein macht, müsstest Du die Vereinsverantwortlichen fragen. Ich versuche den Spielerinnen die bestmöglichen Trainingsstrukturen und -Inhalte zu bieten, damit sie sich auch weiterentwickeln können. Wenn wir nochmals den Vergleich zum Herrenfussball anstrengen, dann muss ich sagen, dass ich fasziniert bin, welchen Willen und welche Überzeugung die Frauen an den Tag legen. Sehr viele Spielerinnen machen ein Studium und wohnen teilweise auch weit weg und trotzdem ist die Trainingspräsenz (bei 4 resp. 6 Trainings plus Spiel pro Woche) extrem hoch und dies, obwohl sie wohl definitiv weniger verdienen als so mancher männliche Spieler, welcher 2. Liga Inter spielt und es trotzdem nicht schafft 3x in der Woche im Training zu sein. Die Motivation ist hier immer besser zu werden und sich mit den besten zu messen.



Sandro:

Die letzten grossen Frauen-Turniere (EM und WM) haben teilweise eine Euphorie entfacht. Wie hat sich die Wahrnehmung und Unterstützung des Frauenfussballs im Laufe der Zeit verändert und wie passt Du Dich diesen Veränderungen an?


Oli:

Der Bundesratsentscheid zur finanziellen Unterstützung für die EM2025 hat die Euphorie in der Schweiz wohl ein bisschen gebremst, aber man merkt generell, dass die Wahrnehmung des Frauenfussballs steigt und wenn ich sehe, dass in London Arsenal in einem ausverkauften Emirates spielt, dann ist die Entwicklung sicher interessant und ich nehme diese gern so wahr und «schwimme» mit.


Sandro:

Wie gehst Du mit Herausforderungen wie Verletzungen, mentalem Druck gerade im Abstiegskampf und anderen Belastungen um, die speziell im Frauenfussball auftreten können?


Oli:

Ich finde auch hier nicht, dass dies beim Frauenfussball speziell anders ist. In jedem Sport (ob Männer oder Frauen), herrscht mentaler Druck, herrscht Belastung und gibt es Verletzungen. Wir versuchen offen und positiv mit Druck umzugehen und ihn anzunehmen. Verletzungen sind nie etwas Schönes und sollte es passieren, muss man die Spielerin unterstützen im ganzen Genesungsprozess. Mental auch mit Zielen arbeiten und ihnen versuchen ein Ziel aufzuzeigen, welches sie erreichen sollen. Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, arbeite ich fokussierter.


Sandro:

Welche Rolle spielen Deiner Meinung nach Vorbilder und Mentorinnen für junge Spielerinnen im Frauenfussball und wie wird dies im Verein gefördert?


Oli:

Es ist gut, wenn man sich an erfahrenen Persönlichkeiten orientieren kann. Wenn man dies innerhalb der Mannschaft hat, ist dies natürlich noch besser. Gerade wir haben ein sehr junges Team und viele Spielerinnen machen ihre ersten Erfahrungen und da ist es hilfreich, wenn sie sich mit Spielerinnen austauschen, welche diese Erfahrungen schon gemacht haben. Sich an Vorbildern aus dem nationalen oder internationalen Fussball zu orientieren finde ich gut, solange man nicht versucht diese zu kopieren. Jeder Mensch ist ein Unikat und so sollen sie auch als Fussballspielerinnen sein.


Sandro:

Was möchtest Du den Lesern des Interviews und den Fans noch mitteilen?


Oli:

Ich habe hier noch zwei Punkte die ich erwähnen möchte:


1. Ich finde es absolut unglaublich, was in und um diesen Verein geleistet wird und wieviel Herzblut und Energie hier hineingesteckt wird zum Wohl des Vereins und des Teams. Es fängt beim Vorstand mit den beiden Co-Präsidenten an, geht über den Technischen Leiter, zu den Nachwuchstrainern, den Helfern und natürlich allen Sponsoren. Alle versuchen das Beste rauszuholen und das beeindruckt mich sehr und ich möchte mich hier auch im Namen der gesamten 1. Mannschaft dafür herzlich bedanken.


2. Wir gehen jetzt in die entscheidende «heisse Phase» der Meisterschaft und da ist jeder einzelne Support an den Heimspielen (aber natürlich auch auswärts) gewünscht und herzlich Willkommen. Es wäre toll, wenn wir so viele Zuschauer wie möglich mobilisieren können die das Team lautstark unterstützen und zur Höchstleistung pushen. Dies würde sicher noch einmal ein paar % mehr bei den Spielerinnen auslösen.

Also: Ab in den Schachen!! Danke!


Sandro;

Herzlichen Dank für Deine Bereitschaft für das Interview, Dein Engagement und das angenehme Gespräch. Wir drücken die Daumen!





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